Lueur bezeichnet einen schwachen, sanften Lichtschein oder Schimmer. Das Wort wirkt poetischer als das alltägliche lumière und ist dadurch besonders einprägsam.
In Avant Le Jour steht die „gleiche Lueur“, die alle durchströmt, für einen gemeinsamen inneren Lichtschein oder Hoffnung während der Nacht. Dadurch erhält das Wort eine stimmungsvolle, metaphorische Bedeutung.
„Avant Le Jour“ bedeutet „Vor dem Tag“ und spielt in diesen besonderen Stunden, in denen die Nacht fast vorbei ist, aber der Morgen noch nicht begonnen hat. In zwei Stunden ist morgen, doch die Zeit fühlt sich gleichzeitig verschoben und stillgestellt an: „Dans deux heures on sera demain“ [In zwei Stunden wird morgen sein]. Für einen Moment gibt es „pas d’avenir, pas d’avant“ [keine Zukunft, keine Vergangenheit]. Nur dasselbe Licht zieht durch alle, während die Nacht „la grande guerre que l’on fait à la vie“ [den großen Krieg, den wir gegen das Leben führen] bis zum Morgen anhält. Das ist ein ziemlich großes Bild für eine Nacht, in der man endlich aufhört zu kämpfen und einfach da ist.
Besonders schön ist, dass diese Ruhe mit Freunden geteilt wird. Ohne Filter und ohne Effekte reist man durch die Nacht, „juste la vérité des amis“ [nur die Wahrheit der Freunde]. Die Zeit friert ein, niemand muss etwas tun, und ein Blick genügt: „Regarde-moi“ [Schau mich an]. Doch kurz vor dem Tag schleicht sich ein Gedanke ein, vielleicht sogar eine Entscheidung: „Le danger qui t’appelle à décider“ [die Gefahr, die dich zum Entscheiden ruft]. Die Nacht schützt diese Nähe also nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann kommt der Morgen, und mit ihm die Frage, ob jemand bleibt oder flieht.