Bandolera bedeutet wörtlich „Banditin“ oder „Räuberin“. Es ist ein farbenfrohes Wort, das man nicht jeden Tag in Liedern hört und das sofort Neugier weckt.
In diesem Lied wird es verwendet, um eine Frau zu beschreiben, die das Herz des Sängers gestohlen und ihn schlecht behandelt hat. Es vermittelt ein Gefühl von Verrat und emotionaler Manipulation, was es zu einem sehr einprägsamen und ausdrucksstarken Wort im Kontext des Liedes macht.
In „Llorarás“ spricht Oscar De León aus Venezuela zu einer Frau, die ihm ausweicht und ihn leiden lässt. „Siempre tú me esquivas de alguna manera“ [Du gehst mir immer irgendwie aus dem Weg] und „Si te busco por aquí, me sales por allá“ [Wenn ich dich hier suche, tauchst du dort auf] beschreiben dieses frustrierende Katz-und-Maus-Spiel. Er nennt sie „rumbera“, hier etwa „Partygängerin“, und warnt sie: Für ihr schlechtes Verhalten werde sie sich noch schämen und für seinen Schmerz bezahlen müssen. Das ist ziemlich direkt, fast schon frech, aber gerade deshalb passt es so gut zu einer tanzbaren Nummer.
Der Refrain dreht die Rollen um: „Llorarás y llorarás / sin alguien que te consuele“ [Du wirst weinen und weinen, ohne jemanden, der dich tröstet]. Erst wenn sie selbst betrogen wird, soll sie verstehen, dass Betrug wehtut. Später kommt sie angeblich zurück und bittet um Vergebung, doch sein Herz erinnert sich nicht mehr an sie: „ya mi corazón no se acuerda más de ti“ [mein Herz erinnert sich nicht mehr an dich]. „Bandolera“ ist eine scharfe Anrede, ungefähr „Gaunerin“ oder „unzuverlässige Frau“. Am Ende lacht er selbst wieder, will sein Leben führen, wie er möchte, und sagt „Echa pa’lante“ [Geh weiter, mach weiter]. Die letzte Zeile nennt Weihnachten, was dem wütenden Abschied noch einen überraschend persönlichen Schluss gibt.