Frontera bedeutet "Grenze". Es ist ein Wort, das in diesem Lied eine zentrale Rolle spielt und eine tiefere Bedeutung hat.
Manu Chao verwendet "frontera" nicht nur als geografische Linie, sondern auch als Metapher für die Barrieren, die Menschen trennen, sei es durch Migration, Hunger oder Schicksal. Es ist ein wiederkehrendes Motiv, das die universellen Themen des Liedes hervorhebt.
Hör dir diesen Track von Manu Chao an, der französische und spanische Wurzeln hat: „El Viento“ kommt fast wie ein alter Wandergesang daher, hat aber richtig Biss. Der Text arbeitet mit schlichten, sich wiederholenden Gegensätzen. Alles beginnt mit der Natur: „El viento viene, el viento se va / Por la frontera“ („Der Wind kommt, der Wind geht / Über die Grenze“). Dem Wind ist jede Landesgrenze völlig egal, er weht einfach „sin más razón“ („ohne weiteren Grund“) über die Straße. Doch Manu Chao schiebt direkt ein bitteres Wortspiel hinterher: Kaum weht der Wind, heißt es „El hambre viene, el hombre se va“ („Der Hunger kommt, der Mensch geht“). Nur ein einziger Buchstabe ändert sich zwischen hambre (Hunger) und hombre (Mensch), aber genau das treibt die Leute auf die Flucht.
Das Ganze spitzt sich weiter zu mit „La muerte viene, la suerte se va“ („Der Tod kommt, das Glück geht“). Wer hier unterwegs ist, lässt das Glück hinter sich und riskiert das Leben. Manu Chao nennt diese endlose Straße irgendwann „Ruta Babylon“ („Babylon-Route“). Das Wort Babylon stammt aus der Reggae- und Rastafari-Kultur und meint ein korruptes, unterdrückerisches System, das Menschen ausbeutet. Die ständige Frage „¿Cuándo volverá?“ („Wann kommt er/sie/es zurück?“) bleibt unbeantwortet im Raum hängen. Der Song verzichtet auf lange Reden: Er stellt den freien Wind gegen hungernde Menschen auf der Fluchtstraße, und das sitzt.