Atlas bedeutet im Niederländischen zunächst „Kartenbuch“, erinnert aber auch an Atlas aus der griechischen Mythologie, der die Welt auf seinen Schultern trug. In der Zeile „noemde mij je atlas“ wird das Wort bildlich verwendet: Die Sängerin trägt die Last und die ganze Welt der anderen Person auf ihren Schultern.
In „Atlas“ beschreibt Pommelien Thijs eine Beziehung, in der eine Person immer mehr trägt als die andere. Gleich am Anfang steht sie mit „zand in mijn zakken en wind in mijn haar“ [Sand in meinen Taschen und Wind in meinen Haaren] da. Sie versucht, Berge zu versetzen, Wasser in der Hand zu fangen und es zum Meer zu bringen. Diese Bilder sind übertrieben und gerade deshalb so stark: Sie würde offenbar fast alles tun, damit die Beziehung funktioniert. Der andere nennt sie „mijn atlas“ [meinen Atlas]. Gemeint ist der Atlas aus der griechischen Mythologie, der den Himmel auf seinen Schultern trägt. Hier wird sie also zur Trägerin der ganzen Welt des anderen. „Sorry dat ik jou nog op handen draag“ [Entschuldigung, dass ich dich noch auf Händen trage] klingt dabei bitter: Die niederländische Redewendung bedeutet, jemanden besonders zu verwöhnen oder zu verehren. Sie trägt ihn weiter, obwohl er so tut, als sei alles bedeutungslos gewesen.
Besonders direkt wird der Preis dieser Liebe in „Ik verkoop mijn spullen, bouw huizen van karton“ [Ich verkaufe meine Sachen, baue Häuser aus Pappe]. Sie gibt ihr eigenes Leben auf, um an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. Gleichzeitig sagt sie: „Je wereld op mijn schouders, nooit andersom“ [Deine Welt auf meinen Schultern, niemals umgekehrt]. Das Verhältnis war also nicht ausgeglichen. Die Bilder vom Schlamm, vom schweren Block am Bein und von den „labiele weken“ [labilen, instabilen Wochen] machen die Beziehung körperlich und mühsam. Trotzdem mag sie seine Komplexität und würde laut der letzten Strophe sogar „beide benen breken“ [beide Beine brechen], wenn er es verlangt. Genau darin liegt die bittere Pointe des Liedes: Sie weiß, wie schwer es war, aber sie glaubte trotzdem, dass es wahr und zu retten sei. Dann sagt er, es sei vorbei, und all ihr Tragen hat plötzlich nur noch ein „nichts“ bedeutet.