Casomai ist ein interessantes Wort, das man nicht jeden Tag hört. Es bedeutet so viel wie „falls“, „eventuell“ oder „im Falle, dass“ und drückt eine Möglichkeit oder eine Eventualität aus.
Im Lied verwendet Laura Pausini es, um eine gewisse Unsicherheit oder Hoffnung auszudrücken. Zum Beispiel singt sie „mi fido della forza di un ricordo casomai“ (ich vertraue auf die Kraft einer Erinnerung, falls/eventuell), was andeutet, dass sie sich an Erinnerungen klammert, für den Fall, dass sie diese in Zukunft braucht oder sie ihr Trost spenden.
Kennst du dieses seltsame Schweigen, wenn eine Beziehung eigentlich vorbei ist, aber niemand den ersten Schritt macht? Genau da setzt Laura Pausini an. Sie wirft der anderen Person direkt vor, zu lange gewartet und kein Risiko eingegangen zu sein: „A non rischiare niente / Non vai all'inferno e neanche sull'altare“ („Wenn du nichts riskierst, kommst du weder in die Hölle noch vor den Altar“). Statt Drama gibt es kühle Höflichkeit („A sopportarci con educazione“ – „Uns mit Höflichkeit ertragen“). Laura packt lieber ihre Sachen: Ein Flug in zwei Stunden, eine neue Adresse, einfach weg.
Der Kern des Songs steckt in der Redewendung „Non è detto“ – das bedeutet wörtlich „Es ist nicht gesagt“, meint im Alltag aber schlicht „Es ist nicht sicher“ oder „Nicht unbedingt“. Sie singt „E non è detto che mi manchi sempre“ („Und es ist nicht gesagt, dass du mir immer fehlst“), aber eben auch „Ma chi l'ha detto che non provo niente“ („Wer hat gesagt, dass ich nichts fühle?“). Alles ist im Umbruch, Dinge ändern sich plötzlich, und manche dunklen Ecken der Nacht werden wohl nie hell. Sie gibt dem anderen noch den Schirm für den Sturm mit und vertraut auf die Kraft der Erinnerung. Ein ehrlicher Popsong über den Moment des Loslassens, ganz ohne kitschige Illusionen.