Linceul bedeutet wörtlich „Leichentuch“, also das Tuch, in das ein Verstorbener gehüllt wird. In der Zeile „Du plus jeune âge au linceul“ steht es als poetisches Bild für den gesamten Lebensweg, von der frühesten Kindheit bis zum Tod, und macht das Lied besonders eindringlich.
In „Défiler“ lässt Stromae das Leben wie einen Laufsteg oder eine endlose Reihe vorbeiziehen: „On voit nos vies défiler“ [Man sieht unsere Leben vorbeiziehen]. Die Jahre „filent“ [vergehen], während wir versuchen, geradeaus zu gehen und unsere Probleme zu entwirren: „Tous ces nœuds dans nos vies“ [all diese Knoten in unserem Leben]. Doch eine Rückspultaste gibt es nicht. Immer wieder fragt er: „Dites-moi comment ça marche“ [Sagt mir, wie das funktioniert]. Das klingt gleichzeitig ratlos und ein bisschen genervt, denn alle scheinen nach denselben Regeln zu marschieren. Arbeit, Gesundheit, Familie und sogar der Mensch selbst werden nach ihrem Wert beurteilt: „On a une valeur marchande“ [Wir haben einen Marktwert]. Vom Kind bis zum Leichentuch wird aus dem Leben ein Wettbewerb, in dem man bloß nicht zurückfallen darf.
Besonders bissig wird das Lied beim Blick aufs Smartphone und auf Schönheitsideale. Eine Person ohne Kopfhörer, Google oder Filter wird sofort beurteilt, während ein Selfie mit bearbeitetem Gesicht fast wichtiger wirkt als ein Lebenslauf. „Si son but dans la vie c’est de ressembler à Gigi“ [Wenn ihr Lebensziel darin besteht, wie Gigi auszusehen] nennt Gigi Hadid als Vorbild aus der Modewelt. Der Witz mit „Gégé“ spielt darauf an, dass man ohne Schönheitsoperationen eben nicht wie Gigi, sondern eher wie eine gewöhnliche „Gégé“ aussehen könnte. Geld macht Schönheit leichter, kann Menschen aber auch verderben: „L’argent ne fait pas le bonheur“ [Geld macht nicht glücklich], obwohl es zugleich Bomben herstellen und das Aussehen verbessern kann. Gegen diesen Druck setzt Stromae keinen großen Masterplan, sondern einen kleinen Schritt: „J’y vais pas à pas“ [Ich gehe Schritt für Schritt].