Mortifiques kommt vom Verb mortificar, was so viel wie „quälen“, „demütigen“ oder „ärgern“ bedeutet. Es ist ein starkes und ausdrucksvolles Wort, das man nicht jeden Tag hört.
In Shakiras Lied wird es in der Zeile „Esto es pa' que te mortifiques, mastiques y tragues“ verwendet. Sie singt, dass das Lied dazu da ist, ihren Ex zu quälen, damit er es „kaut und schluckt“ – eine metaphorische Art zu sagen, dass er die Konsequenzen seiner Taten bitter schmecken soll. Es ist ein zentrales Wort, das die Rache- und Empowerment-Botschaft des Songs perfekt einfängt.
Shakira rechnet ab, und zwar ohne Samthandschuhe. Zusammen mit Bizarrap und einem treibenden Beat von Tiësto schießt sie direkt gegen ihren Ex: Er hat sich immer wie ein Champion aufgeführt (Tanto que te las das de campeón – Du tust so sehr als wärst du ein Champion), hat sie aber hängen lassen, als sie ihn brauchte. Jetzt sitzt sie im Flugzeug weg von ihm und bereut nur, dass sie diese Katze nicht schon viel früher vor die Tür gesetzt hat (hace rato que yo debí botar ese gato). Mit dem Wortspiel perdón que te salpique (Entschuldige, wenn es dich bespritzt) landet sie einen fiesen Treffer, während sie gleichzeitig klarstellt, dass sie ihm schlicht eine Nummer zu groß war (A ti te quedé grande).
Besonders genial sind die ganz konkreten Alltagsprobleme, die sie ihm vorhält: Er hat ihr die Schwiegermutter als Nachbarin hinterlassen, die Presse vor der Haustür und obendrauf noch Schulden beim Finanzamt (la deuda en Hacienda). Doch Mitleid will sie keines, denn ihr neuer Leitsatz knallt richtig: Las mujeres ya no lloran, las mujeres facturan (Frauen weinen nicht mehr, Frauen schreiben Rechnungen). Als dann noch das Wortspiel Claramente (Ganz klar) fällt, um über seine Neue herzuziehen, die nur dem Namen nach ein guter Mensch sei, weiß jeder: Shakira blickt nicht zurück, sie zählt lieber ihr Geld.